[FAU-Logo] Sonderforschungsbereich 539

Zusammenfassung

Der sichtbare Austritt des Sehnerven durch die Lamina cribrosa (Papille) stellt auf Grund anatomischer Bündelung der Axone und des Druckgradienten einen Locus minoris resistentiae des visuellen Systems dar. Aus der Literatur und unseren eigenen klinischen Untersuchungen ergibt sich die eigentlich unerwartete Beobachtung, daß bei den Glaukomerkrankungen morphologisch erkennbare Veränderungen am Sehnervenkopf zumeist den subjektiven und sogar den heute verfügbaren objektiven sinnes- und elektrophysiologischen Tests vorrausgehen.
Die bisherigen Untersuchungen beziehen sich jedoch im wesentlichen auf Querschnittsuntersuchungen. So konnten die Größe und Form der Papille, des neuroretinalen Randsaumes, die Fläche der Exkavation und Größe der Exkavation im Verhältnis zu Papillengröße, Exkavationstiefe, Größe der parapapillären Atrophie, die Sichtbarkeit der juxtapapillären Nervenfaserschicht, der Durchmesser der retinalen Gefäße parapapillär, sowie Papillenrandblutungen als Kriterien zur Glaukomdiagnose herausgearbeitet werden.
Längsschnittuntersuchungen sind jedoch nicht befriedigend verfügbar. Es erscheint daher vordringlich, die Methoden der morphologischen Beurteilung zu verfeinern, damit Änderungen im zeitlichen Verlauf der Glaukomerkrankung zweifelfrei erfasst und im Sinne einer Verschlechterung ("kritisches morphologisches Delta") qualitativ und quantitativ bestimmt werden können. Dies sind die entscheidenden Kriterien für den Beginn einer rationalen Therapie.

Im wesentlichen sind bisher zwei Ansätze zur Quantifizierung der Sehnervenmorphologie in Gebrauch:

   1. Planimetrie (2-dimensionale Biomorphometrie) durch planimetrische Auswertung von Fotografien. Vorteile sind neben der genauen Bestimmbarkeit der Papillengrenzen die Erfassung von qualitativen Kriterien durch realistische Farbwiedergabe und hohe Auflösung.

   2. 3-dimensionale Laser-Tomographie mit zum Beispiel dem Heidelberg-Retina-Tomographen (HRT). Vorteile sind die Erfassung von Tiefenwerten, eine hohe Abbildungstreue im Bezug auf die Größenverhältnisse und Angabe von relativen Höhenwerten der parapapillären Retina.

Mit Hilfe dieser Methoden sollen Fragen zur Pathogenese, Früherkennung und Progressionserkennung ("kritisches morphologisches Delta") bearbeitet werden und neue Methoden der morphologischen Untersuchungstechnik erarbeitet und bewertet werden.
Das Untersuchungsprogramm beinhaltet daher zum einen Querschnittsuntersuchungen der 2- und 3-dimensionalen Papillenmorphologie an speziell definierten Untergruppen von Glaukomerkrankungen oder nicht glaukomatöser Optikuserkrankungen und bezieht in Vergleichsstudien die Ergebnisse von sinnesphysiologischen Daten (Teilprojekt A 1), Perfusionsdaten (Teilprojekt B II 1) und Ergebnisse anderer Arbeitsgruppen mit ein.
In Längsschnittuntersuchungen müssen die verschiedenen herausgearbeiteten Kriterien auf ihre Vorhersagekraft bezüglich des Verlaufs der Glaukomerkrankung untersucht werden.
Mit Hilfe statistischer Analyseverfahren (Teilprojekt C) sollen neue Parameter, z.B. kumulative Defektkurven, entwickelt und bewertet werden.


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